Straßennamen und ihre Geschichte
Straßennamen in Aachen erforschen: So finden Sie Herkunft, Bedeutung und mögliche Umbenennungen im Stadtarchiv.
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Wer in Aachen spazieren geht, liest ständig Geschichte mit. Straßenschilder verraten oft mehr über die Stadt als man denkt: Sie erinnern an Handwerke, Höfe, Heilige, Herrscher oder Ereignisse. Wer wissen will, warum eine Straße so heißt und ob sie früher anders hieß, kommt an einer Recherche im Stadtarchiv nicht vorbei. Das Stadtarchiv Aachen beschreibt sich selbst als das "Gedächtnis der Stadt" und bewahrt Unterlagen, die bis ins Mittelalter zurückreichen (https://www.stadtarchiv-aachen.de/). Dort lagern Urkunden, Akten, Karten, Pläne und Fotos, die sich im Lesesaal einsehen lassen. Die folgende Anleitung zeigt, wie Sie systematisch vorgehen und dabei typische Fehler vermeiden.
Warum lohnt sich die Suche nach der Herkunft eines Straßennamens überhaupt?
Weil Straßennamen weit mehr als Orientierung sind. Sie sind kleine Denkmäler der Stadtentwicklung. Das Stadtarchiv versteht seine Bestände ausdrücklich als Quellen für die Geschichte der Stadt und ihrer ehemals selbstständigen Gemeinden wie Burtscheid, Forst, Brand, Eilendorf, Haaren, Kornelimünster-Walheim, Laurensberg und Richterich (https://www.stadtarchiv-aachen.de/). Wer die Herkunft eines Namens kennt, versteht oft auch, wie sich ein Viertel verändert hat: aus Feldern wurden Straßen, aus Gewerbegebieten Wohnquartiere. Die Namensgebung ist also kein Zufall, sondern Ergebnis politischer, wirtschaftlicher und kultureller Entscheidungen.
Wo finde ich erste Hinweise, ohne sofort ins Archiv zu gehen?
Fangen Sie breit an. Die Stadt Aachen stellt im Serviceportal und auf ihren Seiten Informationen zu Dienstleistungen und zur Stadtgeschichte bereit (https://www.aachen.de/). Solche Überblicksangebote ordnen Straßen häufig grob ein und helfen, den Suchbegriff zu schärfen. Notieren Sie zuerst den heutigen Namen, den Stadtteil und die ungefähre Lage. Prüfen Sie dann, ob der Name auf ein Handwerk, eine Pflanze, eine Person oder ein historisches Ereignis verweist. Erst danach lohnt der Gang zu den Originalquellen, denn Sie wissen dann schon, wonach Sie fragen.
Welche Quellen im Stadtarchiv helfen bei Straßennamen weiter?
Das Stadtarchiv Aachen überliefert Archivgut aus Verwaltung, Ämtern und Betrieben sowie von Rechtsvorgängern der Stadt: der ehemaligen Reichsstadt Aachen, der französischen Munizipalität, der preußischen Oberbürgermeisterei und den eingemeindeten Gemeinden (https://www.stadtarchiv-aachen.de/). Für Straßennamen sind vor allem Karten, Pläne, Akten der Straßenbenennung und Stadtverordnetenprotokolle interessant. Ergänzt wird das durch Nachlässe, Firmenarchive, Vereinsarchive, Zeitungen und Druckschriften. Auch die historische Bibliothek mit rund 45.000 Medieneinheiten und die ehemalige wissenschaftliche Stadtbibliothek mit etwa 100.000 Bänden stehen bereit (https://www.stadtarchiv-aachen.de/). All diese Bestände sind Präsenzbestand, werden also im Lesesaal eingesehen und nicht ausgeliehen.
Wie gehe ich Schritt für Schritt vor?
Zunächst formulieren Sie eine klare Frage, zum Beispiel: Seit wann heißt die Straße so und wie hieß sie davor? Dann suchen Sie im Onlineangebot des Stadtarchivs nach Findmitteln, also Findbüchern, Listen, Karteien oder Datenbanken, mit denen die Archivalien erschlossen sind (https://www.stadtarchiv-aachen.de/). Notieren Sie gefundene Signaturen und fragen Sie nach, ob die Bestände bereits nutzbar sind. Ein Hinweis aus der Praxis: Einzelne Zeitungsbestände waren wegen Entsäuerung längere Zeit gesperrt und sind erst nach Abschluss wieder nutzbar gewesen (https://www.stadtarchiv-aachen.de/). Fragen Sie deshalb vor einem Besuch nach dem aktuellen Bearbeitungsstand. Abschließend vergleichen Sie mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen, etwa einen Plan und eine Akte, bevor Sie ein Ergebnis als gesichert betrachten.
Wann wurde eine Straße umbenannt und warum?
Umbenennungen folgen selten dem Zufall. Sie hängen oft mit Eingemeindungen, politischen Umbrüchen oder dem Wunsch zusammen, Personen zu ehren. Das Stadtarchiv verwahrt die Unterlagen der ehemals selbstständigen Gemeinden, deren Straßennetze nach der Eingemeindung häufig neu geordnet wurden (https://www.stadtarchiv-aachen.de/). Wichtig ist die Unterscheidung zwischen amtlicher Umbenennung und bloßem Namenswandel im Volksmund. Prüfen Sie, ob ein Beschluss, eine Bekanntmachung oder ein Zeitungsartikel den Wechsel belegt. Liegt nur eine mündliche Überlieferung vor, ordnen Sie sie als unsicher ein und suchen Sie nach schriftlicher Bestätigung.
Welche typischen Fehler sollte ich vermeiden?
Der häufigste Fehler ist die Verwechslung von Namensdeutung und Namensgeschichte. Eine schöne Erklärung ist noch kein Beleg. Zweitens: Einzelne Karten zeigen manchmal geplante, aber nie gebaute Straßen. Drittens: Personen mit gleichem Nachnamen werden leicht verwechselt, deshalb immer Vorname, Amt und Lebensdaten prüfen. Viertens: Datumsangaben in alten Akten folgen anderen Kalendern und Schreibweisen. Und fünftens: Nicht jede Quelle ist zitierfähig. Das Stadtarchiv weist ausdrücklich darauf hin, dass es berät und Auskünfte gibt, aber die Bewertung der Funde bei Ihnen liegt (https://www.stadtarchiv-aachen.de/).
Wie prüfe ich ein Ergebnis zuverlässig?
Nutzen Sie eine einfache Entscheidungshilfe:
| Prüfschritt | Gute Grundlage | Schwache Grundlage |
|---|---|---|
| Schriftliche Quelle | Akte, Protokoll, Plan | Erzählung ohne Beleg |
| Zeitliche Nähe | Quelle aus der Zeit der Benennung | spätere Darstellung |
| Mehrfachbeleg | zwei unabhängige Quellen | nur eine Quelle |
| Ortsbezug | Bezug zum Stadtteil | allgemeine Vermutung |
| Zugänglichkeit | Signatur im Findmittel | unklare Herkunft |
Wenn mehrere Zeilen links stehen, können Sie das Ergebnis mit gutem Gewissen weitergeben. Bleibt eine Zeile rechts, lohnt eine weitere Recherche. Das Stadtarchiv bietet dafür ausdrücklich Beratung an und stellt Unterlagen im Lesesaal bereit (https://www.stadtarchiv-aachen.de/).
Wie kann ich mein Ergebnis dokumentieren und teilen?
Halten Sie fest, welche Frage Sie gestellt haben, welche Quellen Sie geprüft haben und wo Unsicherheiten bleiben. Notieren Sie Signaturen und Fundstellen, damit andere Ihre Arbeit nachvollziehen können. Wenn Sie mögen, geben Sie Ihr Wissen an Heimatvereine, Schulen oder lokale Geschichtsgruppen weiter. Das Stadtarchiv selbst vermittelt Stadtgeschichte und veröffentlicht Forschungsergebnisse (https://www.stadtarchiv-aachen.de/). So wird aus einer privaten Frage ein kleiner Beitrag zur Stadtgeschichte.
Für vertiefende Wege lohnt es sich, die eigene Recherche mit anderen Quellengattungen zu verbinden. Wenn Sie Ihre Ergebnisse später veröffentlichen oder ausstellen wollen, klären Sie vorab Nutzungsrechte und zitieren Sie sauber. Bei rechtlichen Fragen zu Persönlichkeitsrechten oder Archivnutzung sollten Sie aktuelle offizielle Auskünfte einholen, etwa beim Stadtarchiv oder bei der Stadtverwaltung (https://www.aachen.de/).


